Lehre Textseminar Rechtsphilosophie
Das Textseminar
Das Textseminar findet regelmäßig donnerstags von 18:15 bis 20:30 Uhr (oder etwas länger) statt. In jedem Semester nehmen wir uns einen (selten mehrere) wichtigen philosophischen Text vor, lesen in ihm und diskutieren die Passagen. Dabei geht es darum, die Fragestellung, die methodische Herangehensweise und die Aussagen des Textes zu verstehen. Insoweit ist die Heranführung an Philosophie und den sorgfältigen Umgang mit Texten das Ziel. Zugleich diskutieren wir eingehend die rechtlichen Bezüge der Texte. Wir hinterfragen so unsere eigene Wissenschaft, lernen sie besser zu verstehen. So ergeben sich auch Wege, Rechtsfragen zu beantworten, auf die das geltende Recht allein keine klaren Antworten liefert.
Das Seminar wendet sich an alle, die sich für Rechtsphilosophie interessieren, d.h. Studierende, Promovierende und Mitarbeiter:innen gleich welcher Disziplin. Ein Scheinerwerb ist möglich, aber nicht erforderlich. Regelmäßige Teilnahme über mehrere Semester hinweg ist sinnvoll.
Das Textseminar kann bereits auf eine gewisse Geschichte zurückblicken: Joachim Hruschka (1935-2017) hat es in den 1980er Jahren in Erlangen begonnen. Er hat sich dabei u.a. an den Seminaren von Karl Larenz in München und Joseph Maria Bocheński in Freiburg (CH) orientiert. Zu den regelmäßig Teilnehmenden der ersten Jahrzehnte zählen z.B. Jan C. Joerden (später Prof. in Frankfurt/Oder), Hannes Unberath (später Prof. in Jena und Bayreuth), Stefan Arnold (heute Prof. in Münster) und Jochen Hoffmann (heute Prof. in Erlangen/Nürnberg). Seit dem Sommersemester 2006 habe ich dieses Seminar in Erlangen mit Hruschka gemeinsam veranstaltet und seit meinem Wechsel an die Universität Heidelberg dort fortgesetzt.
Wintersemester 2026/2027
Im Textseminar lesen wir in Immanuel Kants „Grundlegung zur Metaphysik der Sitten“ und diskutieren zentrale Passagen.
In „der Grundlegung“ stellt Kant die fundamentalen Konzepte seiner Moralphilosophie, d.h. des Vernunftrechts und der Vernunftethik, dar. Er behandelt Freiheit, Autonomie und verschiedene Arten von Sollens-Sätzen, insbesondere Pflichten. Es geht ihm um ein in der Vernunft aller Menschen wurzelndes System, das Antworten gibt auf die Frage: „Was soll ich tun?“ Kant leitet dazu den Kategorischen Imperativ als zentrales Konzept her. Er denkt Imperative und Pflichten so, dass sie Freiheitssphären anderer Personen absichern; sie sind für ihn also unmittelbar mit den Rechten der Anderen (und das meint schon vor-staatliche Rechte) verbunden. Auf die genannten Konzepte wird in der Rechtsdogmatik und Rechtsprechung regelmäßig Bezug genommen und auch Kant immer wieder zitiert.
Termin: donnerstags 18:15 – 20:00 (Beginn: 22.10.)
Ort: Akademiestr. 8, Seminarraum 2
Übersicht über die in der Vergangenheit gelesenen Werke
Table
Sommersemester 2026 | John R. Searle: Intentionality: An essay in the philosophy of mind (1983) |
Sommersemester 2025 | Ludwig Wittgenstein: Über Gewissheit (1969) |
Wintersemester 2024/25 | Thomas Hobbes: Leviathan (1651/1668) |
Sommersemester 2024 | Immanuel Kant: Über den Gemeinspruch (1793) |
Wintersemester 2023/24 | Ziviler Ungehorsam (Texte ab 1849) |
Sommersemester 2023 | Donald Davidson: Actions and Events (1963-1985) |
Wintersemester 2022/23 | Immanuel Kant: Zum ewigen Frieden (1795) |
Sommersemester 2022 | Niklas Luhmann: Legitimation durch Verfahren (1969) |
Wintersemester 2021/22 | Ludwig Wittgenstein: Philosophische Untersuchungen (1953) |
Sommersemester 2021 | Immanuel Kant: Grundlagen der Rechtslehre in der Metaphysik der Sitten, 1797 |
Wintersemester 2020/21 | Hannah Arendt: Über das Böse (Some Questions of Moral Philosophy, 1965) |
Wintersemester 2019/20 | Texte zur Rechtstheorie und Rechtslogik |
Sommersemester 2019 | John R. Searle: Making the social world (2010) |
Wintersemester 2018/19 | G.W.F. Hegel: Grundlinien der Philosophie des Rechts (1820) |
Sommersemester 2018 | Jean-Jacques Rousseau: Vom Gesellschaftsvertrag (1762) |
Wintersemester 2017/18 | Kants Metaphysik der Sitten (1797) |
Sommersemester 2017 | Ludwig Wittgenstein: Tractatus logico-philosophicus (1922) |
Wintersemester 2016/17 | Thomas Hobbes: Leviathan (1651/1668) |